Am 14. Juni 2026 gelangt in Wittenbach die Volksinitiative «Schulentwicklung für unsere Kinder» zur Abstimmung. Sie verlangt eine Ergänzung der Schulordnung, die besagt, dass in der Primarschule grundsätzlich in Jahrgangsklassen oder Doppelklassen unterrichtet wird.
Informationsanlass
Der Gemeinderat lädt die Bevölkerung zu einem Informationsanlass über die Vorlage zur Volksinitiative «Schulentwicklung für unsere Kinder» ein. Es nehmen Mitglieder des Gemeinderates und Vertreter des Initiativkomitees teil.
Datum, Zeit und Ort: 20. Mai 2026, 19.30 Uhr, Aula OZ Grünau.
Sicht des Gemeinderats:
Initiative greift zu kurz
Die Volksinitiative «Schulentwicklung für unsere Kinder» will die Primarschule Wittenbach dauerhaft auf Jahrgangs- oder Doppelklassen festlegen. Der Gemeinderat empfiehlt ein Nein. Er ist überzeugt: Die Initiative ist inhaltlich überholt und schränkt den Handlungsspielraum der Schule unnötig ein.
Ausgangspunkt der Initiative ist die Diskussion um das altersdurchmischte Lernen (AdL) als möglicher Bestandteil der Schulentwicklung. Diese Diskussion hat der Gemeinderat gemeinsam mit der Bildungskommission und dem Rektorat sorgfältig geführt. Gestützt auf Rückmeldungen aus der Bevölkerung sowie aus politischen Kreisen hat er entschieden, auf ein AdL-Pilotprojekt zu verzichten. Altersdurchmischter Unterricht wird an der Primarschule Wittenbach nicht weiterverfolgt.
Inhaltlich überholt
Vor diesem Hintergrund ist die Initiative aus Sicht des Gemeinderats inhaltlich überholt. Sie reagiert auf ein Vorhaben, das bereits vom Tisch ist. Ein zusätzlicher Eintrag in der Schulordnung schafft keinen Mehrwert, sondern fixiert Regelungen, die heute nicht mehr notwendig sind.
Handlungsfähigkeit gefährdet
Gleichzeitig hätte die Initiative weitreichende Folgen für die Zukunft. Sie würde den pädagogischen Handlungsspielraum der Primarschule dauerhaft einschränken – selbst dann, wenn sich Rahmenbedingungen, wissenschaftliche Erkenntnisse oder gesellschaftliche Anforderungen ändern. Schulentwicklung ist ein langfristiger Prozess, der fachliche Abwägungen, Flexibilität und situative Entscheidungen erfordert.
Fachgremien statt Politik
Der Gemeinderat ist der Ansicht, dass solche pädagogischen Fragen primär von Fachpersonen beurteilt werden sollen. Mit der Initiative würden Fachentscheide vermehrt in die politische Ebene verlagert. Das schafft ein problematisches Präjudiz und öffnet die Tür für weitere politische Eingriffe in operative Schulfragen.
Schulentwicklung braucht Vertrauen
Der Gemeinderat steht hinter einer verantwortungsvollen, schrittweisen Schulentwicklung, die sich an klaren gesetzlichen Vorgaben, fachlichen Grundlagen und am Wohl der Kinder orientiert. Dafür braucht es Vertrauen in die zuständigen Gremien, nicht zusätzliche Einschränkungen in der Schulordnung.
Der Gemeinderat empfiehlt den Stimmberechtigten deshalb, die Initiative «Schulentwicklung für unsere Kinder» abzulehnen.
Gemeinderat
Sicht des Initiativkomitees:
Nur ein JA bringt Gewissheit
Das Initiativ-Komitee will mit einer Ergänzung der Schulordnung eine am Wohl des Kindes ausgerichtete Schulentwicklung garantieren. Der Gemeinderat hat das AdL Projekt aktuell zwar gestoppt, doch nur mit einem JA zur Initiative haben wir die rechtliche Verbindlichkeit.
Bildungspolitik soll auch in Wittenbach nicht länger nur von ein paar wenigen Auserwählten im stillen Kämmerlein betrieben werden. Schule geht uns alle an: Kinder, Eltern und Steuerzahlende. Jedes Jahr im Herbst befinden wir an der Bürgerversammlung über den grössten Budgetposten der Gemeinde, jenen der Schulen. Vor diesem Hintergrund ist es erfreulich, dass aktive Bürgerinnen und Bürger, zusammen mit 785 Stimmberechtigten, eine Initiative für eine sinnvolle Schulentwicklung eingereicht haben.
In der Primarschule soll wie bisher in Jahrgangs- oder Doppelklassen unterrichtet werden. Wir wollen kein altersdurchmischtes Lernen (AdL) mit vier Jahrgängen in einer Klasse. Gemäss Bericht der Pädagogischen Hochschule St. Gallen vom Frühjahr 2025 lernen Kinder in einem AdL Modell nicht mehr und nicht weniger. Es lässt sich somit kein pädagogischer Mehrwert erkennen. Der Gemeinderat hat das Projekt jedoch nur aus politischen Gründen gestoppt. Es braucht deshalb diese Ergänzung der Schulordnung.
Die finanziellen Konsequenzen einer flächendeckenden Einführung von AdL konnte der Gemeinderat bis heute nicht aufzeigen. Alleine das wieder abgeblasene Pilotprojekt hätte über CHF 300'000.- gekostet. Um unnötige, unkalkulierbare Risiken zu vermeiden braucht es ein JA.
Eine gute Schule, in der das Kind im Zentrum steht, ist ein Herzensanliegen von uns allen. Motivierte Lehrpersonen sind zentral für die Qualität der Ausbildung der Schulkinder. Dies ist sowohl in Jahrgangs- oder Doppelklassen möglich, bereits heute können dort bewährte Elemente von AdL integriert werden. Wir stehen hinter einer Weiterentwicklung unserer Schule, sofern sie unseren Kindern einen erkennbaren Mehrwert bringt. Dies ist auch bei Annahme der Initiative vollumfänglich möglich. Zudem sorgt die Initiative für Klarheit und Verlässlichkeit an unseren Schulen. Gleichzeitig bleibt die nötige Flexibilität erhalten. Je nach Entwicklung kann die Schulordnung jederzeit angepasst werden. Deshalb braucht es ein klares JA.
Initiativkomitee


