16. Juni 2026
Ein Blick hinter die Kulisse des Wittenbacher Stimmbüros zeigt, wie sichergestellt wird, dass die Stimmen korrekt ausgezählt werden.
Manche Abstimmungsvorlagen mobilisieren stark, andere weniger. Die hohe Stimmbeteiligung zeigte, der vergangene Sonntag mobilisierte die Stimmberechtigten. National polarisierte die Initiative «Keine 10‑Millionen‑Schweiz», in Wittenbach sorgte die Initiative zur Schulentwicklung für Diskussionen im Vorfeld.
Unabhängig davon, ob die Stimmbürgerinnen ein Ja oder ein Nein in die Urne legen: Entscheidend ist, dass jede Stimme korrekt gezählt wird. Im Wittenbacher Stimmbüro stellte Ratsschreiber Marco Lang zusammen mit zehn Stimmenzählerinnen sicher, dass am vergangenen Sonntag die Resultate zuverlässig ermittelt und übermittelt wurden. Die Stimmenzählerinnen müssen Wittenbacher Bürgerinnen sein und werden vom Gemeinderat gewählt.
Vorbereitung am Freitag
Bereits am Freitag vor dem Abstimmungssonntag beginnen Vorbereitungsarbeiten. Zwei Stimmenzählerinnen öffnen die Stimmcouverts und prüfen die Stimmrechtsausweise auf ihre Gültigkeit. Die Couverts mit den Stimmzetteln bleiben noch verschlossen. „So bleibt das Stimmgeheimnis jederzeit gewahrt“, erklärt Marco Lang, „das heisst Rückschlüsse von der Stimmabgabe auf Personen sind ausgeschlossen.“
Sortierung und Zählung
Am Sonntag erfolgt die eigentliche Auszählung. Jetzt erst werden die Couverts mit den Stimmzettel geöffnet, nach Vorlagen sortiert und nach Ja, Nein, leer oder ungültig aufgeteilt. Die Sortierung erfolgt von Hand. «Mehrere Personen bearbeiten und kontrollieren die gleiche Vorlage“, erklärt Lang. Falsch zugeordnete Stimmzettel würden im Stapel durch die unterschiedlichen Farben und die seitlich platzierte Einkerbung der Stimmzettel rasch auffallen. Auch eine Verwechslung von Ja- und Nein-Stimmen werden durch mehrfache Kontrollen verhindert. Die Zählung der einzelnen Stapeln übernimmt schliesslich eine Zählmaschine. Dabei lassen zwei Stimmenzählerinnen jeden Stapel zweimal durch die Maschine laufen.
Überprüfungen bei knappem Ergebnis
Die Zählung der Initiative „Schulentwicklung für unsere Kinder“ ergab ein Resultat mit gerade mal 55 Stimmen Unterschied. „Bei solchen knappen Ergebnissen, überprüfen wir nochmals alle Stimmzettel und stellen sicher, dass sie dem richtigen Stapel zugeordnet sind“, betont Lang. Auch die Zählmaschine kommt nochmals zum Einsatz: Diese Vorlage wurde insgesamt dreimal durchgezählt. „Die Kontrollen bestätigten unser erstes Ergebnis“.
Kontrolle im Abstimmungsprogramm
Nach der Auszählung überträgt Marco Lang die Ergebnisse in das kantonale Abstimmungsprogramm. Dabei agiert er nicht alleine, auch hier gilt das Vier-Augen-Prinzip. Das Programm prüft die Eingaben auf Plausibilität. „Es kontrolliert beispielsweise, ob die Anzahl Stimmzettel mit der Zahl der Stimmrechtsausweise übereinstimmt oder ob auffällige Unterschiede bei den Stimmbeteiligungen bestehen“, so Lang.
Übermittlung an Kanton
Nach der Übermittlung der kantonalen und nationalen Ergebnisse an das kantonale Stimmbüro führt dieses jeweils eine zusätzliche Kontrolle durch: Stimmen die Ergebnisse mit den statistischen Erwartungen überein? Gibt es Auffälligkeiten gegenüber früheren Abstimmungen oder im kantonalen Vergleich? „Falls etwas ungewöhnlich wäre, erhalten wir eine entsprechende Anfrage und können die Ergebnisse nochmals überprüfen, bevor die Resultate freigegeben werden“, sagt Lang.
Das Stimmbüro Wittenbach bearbeitete am vergangenen Sonntag 3‘327 Stimmrechtsausweise und 12‘152 Stimmzettel. Klare Prozesse, verschiedene Sicherungen, mehrere Kontrollen oder mehrfaches Zählen sind dazu da, Fehler zu verhindern und somit Vertrauten in einen korrekten Ablauf und korrekte Ergebnisse zu schaffen.



