24. Februar 2026
Der Wittenbacher Simon Annaheim forscht an Textilien und wie sie den Körper in verschiedenen Funktionen unterstützen können. Von Feuerwehranzügen über Sportkleidung bis hin zu Baby-Pyjamas sucht sein Team nach innovativen Lösungen.
Simon Annaheim wollte es schon immer genauer wissen. Antworten, die an der Oberfläche kratzen, genügten ihm nicht. Schon früh interessierte ihn, wie der menschliche Körper funktioniert bzw. wie man ihn unterstützen kann, leistungsfähig und gesund zu bleiben. Diese Neugier prägt seinen Weg bis heute. Der Wittenbacher arbeitet als Wissenschaftler an der Empa und leitet dort die Forschungsgruppe „Material-Body-Interaction“. Annaheim untersucht mit seinem Team, wie Materialien, insbesondere Textilien, mit dem menschlichen Körper zusammenwirken. Schutz, Sport und Gesundheit sind drei Schwerpunkthemen der Forschungsgruppe. Seine Arbeit erinnert an Daniel Düsentrieb – nur findet sie nicht im Comic, sondern im Forschungslabor statt.
Zwischen Schutz und Höchstleistungen
Was braucht es, damit die Feuerwehrleute in ihrer Schutzkleidung nicht überhitzen? Feuerwehrschutzbekleidung muss extremen Temperaturen standhalten – gleichzeitig kann die Körperwärme kaum entweichen. Annaheims Team forscht dabei, wie Materialien helfen können, Überhitzung zu verhindern und dennoch maximalen Schutz zu gewährleisten. Ob im Feuerwehreinsatz oder im Spitzensport: In Extremsituationen entscheidet auch das richtige Material über Sicherheit und Leistungsfähigkeit. Annaheim unterstützt und berät regelmässig Swiss Olympic. Welche Textilien halten Spitzensportlerinnen bei eisigem Wind vor dem Wettkampf warm und verhindern das Auskühlen? Das war beispielsweise Thema bei den Winterspielen in Peking. Für die Sommerspiele 2028 in Los Angeles rücken Hitze, Smog und Luftqualität in den Fokus. „Schlussendlich geht es darum, wie die Athletinnen mit der passenden Kleidung optimal unterstützt werden können“, erklärt Annaheim.
Textilien als medizinische Hilfe
Das Team tüftelt auch daran, wie neue Materialen im Gesundheitsbereich eingesetzt werden können. Ein wichtiges Forschungsfeld sind dabei textile Sensoren, da herkömmliche Messgeräte bei längerem Tragen häufig Hautirritationen verursachen. Ein möglicher Anwendungsbereich sieht Annaheim dabei in der Fernüberwachung von Patientinnen: Ein Kleidungsstück, das integrierte Elektroden und Sensoren enthält und somit Vitaldaten ausserhalb des Spitals erfassen kann. „Patientinnen könnten zu Hause weiter überwacht werden und somit ihren Spitalaufenthalt verkürzen.“ Ein besonders eindrückliches Projekt für die Forschung von Textilien im Gesundheitsbereich ist das Baby-Pyjama für Neugeborene mit Gelbsucht. In den Stoff eingearbeitete lichtleitende Fasern ermöglichen die notwendige Blaulichttherapie direkt am Körper. Die Babies müssen nicht mehr von ihren Müttern getrennt werden. „Die Spitäler sind zwar begeistert“, berichtet Annaheim, „dennoch konnte die Technologie auch fünf Jahre nach Abschluss der Forschungsarbeiten nicht erfolgreich auf den Markt gebracht werden.
Die Hürden zwischen Idee und Anwendung
Hier beginnt die eigentliche Reise einer Innovation: Eine gute technische Idee allein reicht noch nicht aus. Damit aus einem Prototyp ein Produkt wird, müssen auch regulatorische Vorgaben, Produktionsprozesse und wirtschaftliche Aspekte zusammenspielen. «Das kann manchmal etwas deprimierend sein», sagt Annaheim offen. Dennoch bleibt der Auftrag der Empa klar: Forschung soll den Weg in die Praxis finden. Darum heisst es für Annaheim und sein Team: Dran bleiben. Die drei wichtigsten Eigenschaften, die ein Forscher gemäss Annaheim mitbringen soll, überraschen nicht: „Ein grosse Portion Neugier, Ausdauer und Optimismus.“ Eigenschaften, die wohl auch Daniel Düsentrieb zuzuschreiben sind.


